Grundlegendes zu unseren SHGs

Unsere Selbsthilfegruppen richten sich an autistische Menschen, die sich in einem geschützten, wertschätzenden Raum austauschen möchten. Auch wenn sich unsere beiden Gruppen thematisch und strukturell etwas unterscheiden, teilen sie gemeinsame Grundprinzipien.

Dieser Bereich bietet dir eine Orientierung darüber, was unsere SHGs verbindet – und was du von einer Teilnahme erwarten kannst.

Wichtig: Die Infos auf dieser Seite zu lesen ist keine Pflicht, sondern nur ein Informationsangebot – du kannst gerne auch so bei unseren Treffen dabei sein oder dich bei uns melden.

Alle Inhalte im Überblick

Unsere Grundwerte

Sicherheit & Vertrauen
Wir möchten einen Raum schaffen, in dem niemand Angst vor sozialem Anecken haben muss.
Wir begegnen einander mit Unvoreingenommenheit, Verständnis und der Bereitschaft zuzuhören.
Alles, was in der Gruppe geteilt wird, bleibt vertraulich.
Wir gehen sensibel mit potenziell triggernden Themen um und achten auf die Bedürfnisse aller Anwesenden.

Bedürfnisorientierung & Mitgestaltung
Jedes Bedürfnis hat seine Berechtigung – wir suchen gemeinsam nach Wegen, die für alle passen. Wir leben eine offene Fehlerkultur: Fehler dürfen passieren und sind kein Grund für Scham. Kritik darf geäußert werden – respektvoll und konstruktiv.
Unsere Strukturen sind bewusst niedrigschwellig gehalten. Wer möchte, kann sich einbringen: moderieren, organisieren oder neue Impulse setzen.

Austausch, Unterstützung & Vernetzung
Unsere Gruppe lebt vom Miteinander. Wir unterstützen uns gegenseitig – beim Verstehen, beim Einordnen und manchmal auch einfach beim Aushalten.
Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen, sich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven zu gewinnen und sich weniger allein zu fühlen.

Umgang mit Autismus – Erkenntnisse und Selbstakzeptanz
Viele von uns befinden sich noch mitten in Lern- und Verarbeitungsprozessen: Wir setzen uns mit der eigenen Biografie neu auseinander, hinterfragen alte Selbstbilder und beleuchten inneren wie äußeren Ableismus.
Dabei sind Selbstakzeptanz, Selbstbestimmung und gegenseitige Ermutigung zentrale Themen.
Wir sprechen über Barrieren – und darüber, wie wir Wege finden, mit ihnen umzugehen oder sie gemeinsam zu überwinden.


Hinweis zu den Grenzen von Selbsthilfe
Unsere Angebote ersetzen keine Therapie oder medizinisch-psychologische Unterstützung. Wir sind in der Gruppe als Betroffene aktiv – nicht in einer professionellen Rolle. Wenn du akute Hilfe brauchst, unterstützen wir dich gern bei der Suche nach passenden Anlaufstellen.

Orientierungshilfe für Interessierte und Neuzugänge

Einen neuen Ort mit unbekannten Menschen und neuen sozialen Abläufen zu besuchen, kann viel Überwindung, Mut und Energie kosten – besonders, wenn man autistisch ist.
Mit dieser Orientierungshilfe möchten wir dir deshalb vorab ein paar Infos an die Hand geben, die wir selbst gerne vor unserem ersten Treffen gekannt hätten.

Wichtig: Du musst das hier nicht gelesen haben, um teilnehmen zu können.
Diese Infos sind einfach nur zur Orientierung gedacht – falls du sie brauchst.

Vorbereitung durch die Moderation
Ca. 17:45–18:00 Uhr: Bereitstellen von Stühlen, Tischen, Getränken, etc.

Beginn des Treffens
18:00 Uhr – manchmal auch 5–15 Minuten später, je nachdem, wie viele Menschen noch ankommen

Vorstellungsrunde & Themensammlung
Mögliche Inhalte der Vorstellung (freiwillig - alles kann, nichts muss):
– Name
– Alter
– Diagnose(-zeitpunkt)
– Wohnort
– Tätigkeit
– Spezialinteressen
– Anliegen / Thema, das du mitgebracht hast

Gesprächsrunde (Selbsthilfephase)
Die Gesprächsrunde ist der zentrale Teil unseres Treffens – hier geht es um die Themen, die uns beschäftigen, um gegenseitigen Austausch und Unterstützung.
Bei größerer Gruppengröße können wir uns in kleinere Gruppen aufteilen – sofern die Teilnehmenden das möchten.

Pausen
Die Moderation versucht während des Treffens regelmäßig nachzufragen, ob eine Pause gebraucht wird. Gerade weil einige von uns auch ADHS haben, kann es aber passieren, dass sowas im Gesprächsverlauf mal untergeht. Wenn du eine Pause brauchst oder merkst, dass andere vielleicht eine brauchen könnten, sprich uns gern einfach an oder schlag es direkt vor – das ist ausdrücklich erwünscht! Unabhängig davon gilt: Du darfst jederzeit selbstständig eine Pause machen, dich zurückziehen oder auch früher gehen – bitte nur möglichst leise, wenn gerade gesprochen wird.

Ende offen
Bleib so lange, wie es für dich stimmig ist.

  • Alles ist freiwillig. Du entscheidest, ob und wann du sprechen möchtest – auch in der Vorstellungsrunde
  • Alle Beiträge sind willkommen. Es gibt kein „unwichtig“, „zu viel“ oder „falsch“.
    Was wir aber versuchen zu vermeiden:
    – Abwertungen
    – Diskriminierung
    – Verallgemeinerungen wie „Alle Autist*innen/Neurotyp*innen/…  sind…“
    Stattdessen freuen wir uns über Ich-Perspektiven wie zum Beispiel:
    „Ich habe den Eindruck, dass …“
    „Meiner Erfahrung nach …“
    „Ich fühle mich …, wenn …"
  • Du musst dich nicht melden, um etwas zu sagen – manchmal kann es aber helfen, um besser ins Gespräch zu kommen.
  • Wenn du unsicher bist, ob du etwas sagen sollst oder dich mit einem Thema nicht wohlfühlst, sprich gerne in der Pause oder zwischendrin die Moderation an.
  • Spontane Themen sind willkommen. Was du in der Vorstellungsrunde nicht sagen konntest oder wolltest, kannst du später jederzeit einbringen.
  • Reizüberflutung oder Rückzug: Du kannst dich jederzeit aus dem Geschehen rausnehmen – auch ohne Begründung

Das Autismuszentrum ist grundsätzlich rollstuhlgerecht erreichbar. Eine barrierefreie Toilette gibt es jedoch leider nicht. Genauere Infos dazu findest hier  – oder du meldest dich bei uns, wenn du konkrete Fragen hast.

Sensorische Reize lassen sich leider nicht komplett vermeiden, aber wir versuchen, sie so gut wie möglich zu berücksichtigen:

  • Die Lichtverhältnisse werden von manchen als unangenehm empfunden. Falls es gar nicht geht, können wir ggf. auf Lampen ausweichen oder beim nächsten Mal andere Leuchtmittel (z. B. Lichterketten) mitbringen.
  • Das Autismuszentrum liegt an einer Hauptstraße – deshalb ist es bei offenem Fenster recht laut. Wir versuchen daher in der Regel nur vor Beginn um 18 Uhr und in den Pausen zu lüften.
  • Da noch andere Menschen in den Räumen arbeiten, kann es gelegentlich vorkommen, dass man Stimmen oder Schritte auf dem Flur hört – meist hält sich das aber in Grenzen.
  • Die Klingel ist ziemlich laut, wird aber normalerweise nur zu Beginn betätigt. Bei geschlossener Tür ist der Lärm gut erträglich.
  • Geruchssensibilitäten: Bitte verzichte möglichst auf stark parfümierte Produkte, um Rücksicht auf empfindliche Nasen zu nehmen.
  • Du kannst Dich jederzeit in den Flur, den Hausflur, den Hinterhof oder ggf. in andere Räume zurückziehen, wenn du eine Pause brauchst.
  • Hilfsmittel wie Fidgets oder Decken sind jederzeit willkommen – solange sie andere nicht zu sehr ablenken oder stören.
  • Falls Du eine nicht-autistische Begleitperson mitbringen möchtest, melde Dich bitte vorab per Mail bei uns. Hier findest Du weitere Infos dazu.

Manchmal bringen Teilnehmende Snacks wie Kekse mit – die können auch während des Treffens gegessen werden, sofern niemand etwas dagegen hat. Wasser und eine kleine Auswahl an Tee stehen vor Ort zur Verfügung. Du kannst auch gerne eigenes Essen oder Trinken mitbringen – bitte achte bei Speisen möglichst auf dezente Gerüche und konsumiere sie möglichst in den Pausen oder in einem anderen Raum.
Trinken ist jederzeit auch in der Gesprächsrunde möglich.

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem alle autismusbezogenen Themen Platz haben – gleichzeitig ist uns ein achtsamer und rücksichtsvoller Umgang mit sensiblen Inhalten sehr wichtig.

Zur Orientierung gibt es ein Google-Dokument, in dem triggernde Themen gesammelt werden können. Wenn du dir unsicher bist, ob ein Thema andere belasten könnte, kannst du:

  • vor dem Treffen in der WhatsApp-Gruppe nachfragen,
  • dich vor Ort an die Moderation wenden oder
  • dein Anliegen bei der Vorstellungsrunde kurz und möglichst unkonkret benennen

In der Gruppe haben wir verschiedene Möglichkeiten, mit solchen Themen umzugehen:

  • Thema überspringen oder verschieben (ans Ende des Treffens oder aufs nächste Treffen)
  • Gruppe aufteilen
  • Betroffene können sich zurückziehen und später wiederkommen

Wir entscheiden im Zweifel gemeinsam, wie wir damit umgehen. Es gilt: Jede Grenze ist berechtigt – und jede Erfahrung verdient Gehör.

Wenn es mal zu einem Missverständnis oder Unwohlsein kommt (was natürlich vorkommen kann), gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • direkt in der Gruppe ansprechen (z. B. in einer ruhigen Minute),
  • dich an die Moderation wenden (während oder nach dem Treffen),
  • ein Pausengespräch führen,
  • eine E-Mail im Nachgang schreiben oder
  • unseren anonymen Feedback-Link nutzen

Wir bemühen uns um eine offene, wertschätzende und fehlertolerante Atmosphäre – auch in schwierigen Momenten.

Neben der gemischtgeschlechtlichen Selbsthilfegruppe und der Frauen*-Selbsthilfegruppe gibt es noch weitere Angebote:

  • Monatlicher Spieleabend (Termin wird über die WA-Gruppe und den Mailverteiler bekanntgegeben)
  • Monatlicher Spaziergang (Termin wird über die WA-Gruppe und den Mailverteiler bekanntgegeben)
  • Gruppeninterner Discord-Server
  • Mailverteiler
  • WhatsApp-Community
    • Gruppe für Selbsthilfe-Themen
    • Gruppe für Treffen & Absprachen
    • Gruppe für „Smalltalk“ und Kennenlernen
    • Gruppe für die Frauen*-SHG
    • weitere Gruppen für spezifische Projekte

Verantwortlicher und Organisator der SHG:

Simon - Mail-Adresse: shg@autismusspektrum-potsdam.de

 

Organisator*innen der Frauen*-SHG:

 

Moderator*innen der Selbsthilfetreffen:

  • Normen (SHG)
  • Simon (SHG)
  • Zeraphine (Frauen*-SHG)
  • Tina (Frauen*-SHG)
  • Natasha (Frauen*-SHG)
  • Luise (Frauen*-SHG)

 

Weitere Infos zu uns und unserer Organisationsstruktur findet ihr hier [Link folgt]

Unser Umgang miteinander

Wir wünschen uns ein Miteinander, in dem alle so sein dürfen, wie sie sind – mit ihren Stärken, ihren Schwierigkeiten, ihren Gedanken und Gefühlen. Damit das gut gelingen kann, gibt es ein paar Grundsätze, auf die wir gemeinsam achten:

  • Jede*r darf zu Wort kommen. Wir versuchen, Gespräche so zu gestalten, dass niemand untergeht – und dass alle, die etwas sagen möchten, auch die Möglichkeit dazu bekommen.
  • Alles ist freiwillig. Du entscheidest selbst, ob und wann du dich einbringen möchtest – auch Pausen, Rückzug oder früheres Gehen sind jederzeit okay.
  • Alle Perspektiven sind willkommen. Es gibt kein „zu viel“, kein „zu sensibel“, kein „unnötig“.
  • Ich-Perspektive statt Verallgemeinerungen. Aussagen wie „Ich habe erlebt, dass…“ helfen oft mehr als „Autist*innen sind halt so“.
  • „Raum zum Auskotzen“ – Es ist absolut okay, Frust oder schwierige Emotionen zu teilen. Gleichzeitig achten wir darauf, niemanden abzuwerten oder verletzende Sprache zu verwenden.
  • Diskriminierung hat bei uns keinen Platz. Wenn doch mal etwas gesagt wird, das verletzend wirkt, darf das von jedem angesprochen werden – offen, ehrlich und respektvoll. Insbesondere die Moderierenden dienen als Ansprechperson bei Diskriminierungserfahrungen und tragen Verantwortung dafür, das diskriminierendes Verhalten nicht einfach „im Raum stehen bleibt“, sondern thematisiert wird – entweder direkt in der Gruppe oder später im Einzelgespräch.
  • Kritik ist erlaubt. Konstruktive Rückmeldungen, andere Blickwinkel oder Diskussionen sind willkommen – solange sie auf Augenhöhe passieren.

Konsequenzen wiederholter Regelverletzung

Grundsätzlich gilt: Das Wohl der Gruppe steht im Vordergrund.
Wenn sich einzelne Teilnehmende wiederholt in einer Weise verhalten, die unseren Grundsätzen widerspricht und den Schutzraum gefährdet, müssen wir als Organisator*innen handeln.

Unser erstes Mittel ist immer das Gespräch. Wir versuchen gemeinsam zu klären, was das Verhalten ausgelöst hat und wie wir damit umgehen können.

Wenn es trotz Klärungsversuchen weiterhin zu Problemen kommt, kann ein Ausschluss aus der Gruppe notwendig sein. In der Regel treffen wir diese Entscheidung nicht allein, sondern im Austausch mit den direkt Betroffenen und ggf. mit der gesamten Gruppe.

Begleitpersonen – unser Umgang damit

Grundsätzlich haben wir volles Verständnis dafür, dass manche Menschen zu unseren Treffen nicht allein kommen möchten – z. B. weil sie sich unsicher fühlen, Unterstützung brauchen und oder sich mit einer vertrauten Person sicherer fühlen.

Wenn deine Begleitung ebenfalls autistisch ist, gilt:
Du kannst sie selbstverständlich mitbringen – das ist bei uns überhaupt kein Problem und bedarf keiner gesonderten Rücksprache.

Wenn deine Begleitperson nicht autistisch ist, bitten wir dich, uns vorab zu kontaktieren.
Wir möchten ein Schutzraum ausschließlich für autistische Menschen sein. Das bedeutet: Unser Gruppenraum ist per se ein Raum ohne allistische (nicht-autistische) Personen. Dieses Prinzip ist uns wichtig – nicht aus Misstrauen, sondern um einen möglichst sicheren, offenen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Das heißt nicht, dass eine Begleitung grundsätzlich ausgeschlossen ist – aber wir möchten in solchen Fällen gemeinsam überlegen, was für alle Beteiligten passt.

Mögliche Optionen:

  • Vorheriges Kennenlernen der Räumlichkeiten und der Organisierenden/Moderierenden – um Unsicherheiten abzubauen und eventuell eine Teilnahme ohne Anwesenheit der Begleitperson zu ermöglichen
  • Die Begleitperson kann z. B. im Flur oder im Nebenraum warten
  • Wenn alle Anwesenden einverstanden sind, kann die Begleitperson beim Treffen dabei sein
  • Sollte jemand aus der Gruppe sich mit der Anwesenheit nicht wohlfühlen, suchen wir gemeinsam nach Lösungen (z. B. Aufteilung der Gruppe ) – aber ggf. kann es sein, dass wir eine Teilnahme der Begleitperson an diesem Tag dann nicht ermöglichen können

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